Für Kinder

Mourek träumt.

Geschrieben von Blanca Maria Kallivroussis.

Mourek träumt.

Mourek ist ein kleiner Kater. Er meint natürlich, dass er schon ganz groß ist. Sein Fell ist grau mit schwarzen Streifen, weißen Pfötchen, Schnäuzchen und Ohren. So sieht er ganz lustig aus, als ob er probiert hätte in einer Schüssel Milch zu baden und es sich dann im letzten Moment anderes überlegte.  Na, ja, sein Aussehen war ihm mehr oder weniger egal, obwohl, wenn er sich manchmal beim Wassertrinken  in der  Spiegelung sah, fand er, dass er ein sehr schöner großer Kater war.

Im Moment schlief Mourek unter einem Baum, zusammengerollt in einer Vertiefung zwischen den Baumwurzeln. Die Sonne wärmte sein Fell und Mourek schnurrte zeitweise von Behagen. Auch sein Traum gefiel ihm. Gestern hatte er nämlich einen neuen Freund kennengelernt, eigentlich Freundin, die Eule Sofi. Er saß im Grass unter dem Baum und wartete geduckt  auf eine Maus, welche sich gerade in ihrem Bau versteckt hatte. Irgendwann sah Mourek etwas wackeln über dem Eingang von Mauseloch. Es war das Schnäuzchen der Maus, welche wittern wollte, ob in der Nähe Gefahr lauerte. Und es war dem auch so, nur hatte das Mäuschen es nicht so schnell gemerkt. In dem Moment, so wie er sprungbereit war, schoss Mourek wie ein Pfeil nach vorne, direkt auf die arme Maus zu.  Aber plötzlich…bum!... Etwas Merkwürdiges fällt auf ihn und drückt ihn zu Erde. Einen schmerzhaften Knuff verspürte er auch. Er wurde wütend und erschrocken zu gleich. Mit aller Kraft drehte er sich um und hackte mit seinen Krallen auf das Etwas, was ihn um seine Beute brachte. Beide quietschten gleichzeitig auf und sprangen zu Seite. Erst dann sahen sie einander an. Vor dem Mourek saß  ein komisches Wesen mit riesengroßen Augen und einem spitzem Schnabel , bereit nochmals nach ihm zu hacken. Auch das Fell von Mourek stand hoch und seine spitzen Krallen waren bereit nochmals zuschlagen.  Er fauchte das Wesen zuerst an.“ Wer bist Du? Warum hast Du mich um meine wohlverdiente Mahlzeit gebracht?“ „Deine Mahlzeit?! Und dazu noch wohlverdient?! Das ich nicht lache! Geschnarcht hast Du! Beinahe hättest Du auch mich und die Maus eingeschläfert! Und wenn Du es schon genau wissen willst, das war meine Mahlzeit die Du verscheucht hast. Und, überhaupt, mach Dich nicht so wichtig, sowieso ist die Maus jetzt weg und kommt von so viel Schrecken nicht wieder!“  „Wichtig? Wer macht sich hier wichtig. Ich sicher nicht.“ Schämte sich Mourek ein bisschen,  zog seine Krallen ein und setzte sich auf seinen Hintern damit er das merkwürdige Wesen besser betrachten könnte. „Du hast mir aber nicht gesagt wer Du bist. Ich habe Dich hier noch nicht gesehen. Übrigens, ich bin ein Kater und heiße Mourek. Ich glaube, wir sind zusammengestoßen, aber nicht absichtlich.“ „Ja, das stimmt. Ich heiße Sofi und bin eine Eule.  Natürlich kennst Du mich nicht, denn Du schaust nicht nach Nahrung auf die Bäume, Du kannst ja nicht fliegen. Ich dagegen kenne Dich, weil ich Dich schon öfters hier gesehen habe. Ich suche nach meiner Nahrung auf der Erde und in der Luft. Diesmal warst Du aber so gut versteckt, dass ich Dich nicht bemerkt habe. Beide haben wir uns den gleichen Leckerbissen ausgesucht und so sind wir zusammengestoßen. Na ja, jetzt haben wir beide nichts, aber…  Du gefällst mir…können wir Freunde werden?“ Die Eule hockte sich mit Würde richtig auf ihre Beine, da sie bisher ein bisschen zur Seite gekippt war, weil ihr von dem Zusammenstoß noch ein bisschen schwindelig war.  „Ja, Freunde! Sehr gern! Freute sich Mourek. Eine fliegende Freundin; das war doch großartig. Sicher hat sie von dort oben schon vieles gesehen. Sie konnte ja über die Bäume fliegen. Mourek, in dem Bestreben von da oben mehr zu sehen, ist oft auf die Bäume geklettert. Aber durch die Äste hatte er nicht viel mehr gesehen. Ein mall sogar ist er so hoch hinauf geklettert, dass er fast abgestürzt wäre, so dünn sind die Äste des Baumes dort geworden, und herunter zu klettern hatte er Angst auch gehabt. So ist er dort hocken geblieben bis spät in der Nacht, bis ihn seine Mama fand und ihm so lange Mut zusprach, bis er sich zum Schluss traute herunter zu klettern. So hoch wagte er sich seit dem nie mehr, trotz dem wünschte er sich so sehr die Welt von da oben zu sehen.  Jetzt kann Sofi ihm davon wenigstens erzählen.  Und prompt erzählte Mourek der Eule von seinem sehnlichsten Wunsch.

Die Eule hörte ihm ernst zu und wackelte bedächtig mit dem Kopf. „Willst Du also eine Eule sein damit Du fliegen kannst?“ „Fliegen? Ja das wäre toll, aber Eule sein? Nein, ich bin sehr gerne Kater.“ Antwortete selbstgefällig Mourek und streckte sich genüsslich. „Gar nicht bescheiden wie?“ Neckte ihn Sofi. „ „Wieso? Bist Du nicht gerne Eule?“  Fragte vorwurfsvoll Mourek. „Doch, doch, Du hast recht. Aber von der anderen Seite ich bin zufrieden damit, dass ich fliegen kann, aber nicht so gut rennen wie du. Du hingegen bist nicht damit zufrieden, dass Du nicht fliegen kannst.“ Neckte Sofi den kleinen Kater. „Hm ja, das stimmt, aber doch nicht für immer. Da müsste ich dann vielleicht Flügel haben und die wären mir dann beim Rennen und springen und klettern vielleicht hinderlich.“ Gab der Mourek zu bedenken. „Nur ein mal die Welt von oben zu sehen! Das wäre doch super!“  „Alles kannst Du nicht haben!“ Tadelte ihn die Eule. „Flügel willst Du nicht haben, aber fliegen willst Du doch.“  „Du hast ja Recht, aber schön wäre es, findest Du nicht?“ Gab Mourek zu und trottete enttäuscht Nachhause, nach dem er sich von Sofi verabschiedet hatte.

 Das war eben Gestern passiert und jetzt träumte Mourek, dass ihn Sofi  auf ihrem Rücken nahm und in die Höhe hob. Mourek freute sich im Traum und rief:“Höher! Höher!“ bald würde er die ganze Umgebung sehen! Mourek war neugierig. Von lauter Neugierde merkte er gar nicht, dass Sofi nicht mehr weiter konnte. Mourek war zu schwer für sie. Sie fielen zu Boden. Bum! Mourek hatte sich weh gemacht. Er wachte auf. „Sofi! Geht’s Dir gut? Sind wir gefallen? Wo bist Du? Mourek sah sich um. Sofi war nicht zu sehen. Neben ihm lag ein bunter Ball. Angelika kam zu ihm und streichelte ihn zärtlich. „Armer Mourek! Entschuldigung! Das wollte ich nicht. Hat der Ball Dir wehgetan?“ Mourek schüttelte sich kurz und miauend schmiegte er sich an Angelikas Fuß. „Na dann ist gut.“ Sagte Angelika erleichtert , nahm ihn hoch und kraulte ihn am Köpfchen. Das hatte Mourek besonderes gerne. Seinen Traum hatte er inzwischen vergessen.

Etwas hatte er aber doch im Sinn. Nächsten Tag sollte doch der Geburtstag von Angelika gefeiert werden…  Da kommen sicher viele Kinder um mit Angelika feiern zu können. Da wird es sicher ganz wild vor sich gehen. Da muss sich Mourek gut verstecken, damit ihm der Ball nicht noch mehrmals auf dem Kopf landet. Abends, als er im Garten auf die Jagd ging, traf er sich mit Sofi und erzählte ihr von dem bevorstehendem Fest.“ Gut dass Du mir das sagst, dann zügle ich Morgen lieber zu meiner Kusine in den Nachbars Garten. Komm doch auch mit!“ „Hm, kann nicht, das ist nicht mein Revier und die Nachbars Katze würde mich beißen.“ „Ts,ts, habt Ihr Katzen aber Probleme! Siehst Du, die haben wir in der Luft nicht. Da gibt es keine Grenzen und Reviere. Na, dann halt sehen wir uns Übermorgen!“ Und Sofi flog weg. Mourek jagte ein wenig und dann kehrte er wieder zurück ins Haus, rollte sich in seinem Nestchen zusammen und dachte sich: „na bitte, wozu das Fliegen gut wäre. Hätte ich das doch können! Wenigstens so wie die Sofi!“ Und damit schlief Mourek ein. Diesmal träumte er nicht und auch kein Ball weckte ihn.

Nächsten Tag war es wirklich sehr schlimm für Mourek.  Weder im Garten noch im Haus hatte er sich  ohne Gefahr, dass auf ihn getrampt oder über ihn gestolpert wäre, bewegen können. Nur auf seinem Katzenbaum war er sicher. Sicher?! Von dem ganzem Trubel ermüdet nickte er ein und merkte gar nicht, dass inzwischen die Geburtstagsgäste gekommen waren. Mourek wachte  erst auf, als ihn jemand aus seinem warmen Nest hob und hinaus in den Garten trug. Mourek sträubte sich. Die Hände, die ihn trugen, waren fremde Hände, nicht die von Angelika. Mourek hatte Angst und miaute kläglich. Mit Recht, wie er auch gleich merkte. Vergebens sah er sich nach Angelika um, damit sie ihn von den Händen zwei Jungs befreien konnte. Wahrscheinlich war sie mit den anderen Gästen im Haus beschäftigt und merkte gar nicht was mit Mourek geschah. Die zwei Jungs näherten sich einem Bündel Luftballone, die an einem Stuhl angebunden waren, vorbereitet, damit sie von den Kindern zu Ende des Festes abgelassen werden konnten. Die zwei Lausbuben banden das ganze Bündel  los und banden es Mourek um den Bauch. Mourek kratzte und fauchte wie er nur konnte. Es half nichts. Der Knoten war fest und die Buben ließen ihn los. Und siehe da! Mourek flog! Die Jungs bekamen Angst und wollten ihn fangen. Sie sprangen in die Luft. Streckten sich nach ihm, aber es half nichts. Mourek war bereits zu hoch aufgestiegen. Er miaute so laut er konnte, aber niemand hörte ihn. Oder doch? „Was machst Du da in der Luft!“ Hörte er plötzlich neben sich. „Sofi! Bitte,bitte hilf mir! Das war ich nicht! Zwei Lausbuben haben mir einen Streich gespielt als ich eingeschlafen bin und vergas mich zu verstecken.“ „Du steigst zu hoch!“ Rief verängstigt die Eule. „Ich kann nicht so hoch fliegen!“ „Mach schnell!“ „Was aber!“ „Die Ballone ab!“ „Dann fällst Du zu Boden wie ein Stein und bist tot!“ „Was dann?“ „Warte, ich hab’s!“ Und „Knuff und Knuff! Bam und bam.“ Die Eule machte zwei von den Ballonen Kaputt. Dann vorsichtig noch zwei. Mourek stieg plötzlich nicht mehr höher. Dann noch eines. Mourek sank sanft zu Boden. „Hm, das könnte reichen.“ Brummte die Eule zufrieden. Sie begleitete Mourek an seinem Gleitflug zu Boden. Leider gab es aber ein Windstoß und die Restlichen Ballone mit Mourek verfingen sich in den Ästen von einem Baum. Da kam Sofi wieder zu Hilfe. Sie durchbiss die Fäden um Moureks Bauch und befreite ihn aus seiner misslichen Lage. Nun saß Mourek schön sicher auf einem Ast auf dem Baum, der in Nachbars Garten stand. Sicher? Na, nicht so ganz. Unten wartete auf ihn schon Aurora, die Katze des Nachbars und bereitete sich gerade auf einen Kampf mit Mourek. „Oh, je! Dann ist es wirklich so, wie Mourek es gesagt hatte:“ Seufzte Sofi. „Siehst Du! Das hast Du von Deinem Fliegen! Jetzt muss ich Dich nochmals retten!“ Sofi flog auf den untersten Ast und wippte damit.  Aurora wurde abgelenkt, da sie dort eine leichte Beute vermutete.  Das nutzte Mourek augenblicklich und wie der Wind kletterte er vom Baum herunter und mit einem Satz schwang er sich über den Zaun und weg war er. Schön in seinem Revier. Da hatte er sich im Gebüsch versteckt und wartete bis die Feier zu Ende war. Niemand merkte, was passiert war.  Erst als alle weg waren, traute er sich aus dem Gebüsch herauszukommen. Dafür gab es aber von Angelika ein Leckerbissen zum Nachtessen.  Mourek  traf am  Abend  Sofi  und bedankte sich für seine Rettung. Wer weiß wohin er sonst noch geflogen wäre! Kaum auszudenken! Mourek schüttelte sich. Da konnte sich es Sofi nicht verkneifen:“ Wo Du doch so fliegen wolltest! Da haben Dir doch die Buben Deinen Traum erfüllt?! Hast Du wenigstens die Welt von da oben angeschaut wie Du Dir das gewünscht hast?“ „Hör auf, das ist nicht Fair  ich hatte so viel Angst, dass ich die ganze Zeit die Augen zu hatte!“