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Wer ist schuld?

Geschrieben von Blanca Maria Kallivroussis. Veröffentlicht in deutsch.

Wer ist schuld?
Krieg! Ich sah, dass Du kommen wirst.
Und, was tuest Du dagegen, Mensch?
Ich? Ich tue nichts.
Und warum wehrst Dich nicht Mensch?
Weil ich will,

Das Chaos im Jenseits

Geschrieben von Blanca Maria Kallivroussis. Veröffentlicht in deutsch.

Das Chaos im Jenseits.

 

Gedränge vor dem Himmels Tor

Die Generationen rücken nach.

Es hat etwas gedauert,

aber jetzt wird es langsam eng

in der Hölle und des Himmels Reich.

 

Verkehrs Polizist der Petrus

aufgeregt erhebt die Stimme,

mit den Schlüsseln rasselt seine Hand:

„Langsam! Nicht drängen!“ Ruft er

„Wir haben Zeit!“

 

Die Guten in den Himmel

Es sind so viele,

die Wolken wiegen schwer,

die Bösen in die Hölle,

es sind deren noch mehr,

die türmen sich zu Berg,

der sich hoch zu den Wolken streckt

und wenn sie einander berühren,

Wer, ach wer die Bösen von den Guten trennt!

 

 

Dort, wo die Zeit keine Bedeutung hat.

Geschrieben von Blanca Maria Kallivroussis. Veröffentlicht in Geschichten.

 Dort, wo die Zeit keine Bedeutung hat.

Gibt es so etwas auf unserer Erde? Ja. Bis vor kurzem habe ich es auch nicht gewusst. Aber, doch, es gibt diesen Ort. Soll ich es Euch verraten? Also, hört man gut zu.

Schon lange habe ich Erzählungen darüber gehört und auch in entsprechenden Büchern über diesem seltsamen Ort gelesen. Das interessante ist, dass ich schon öfter an diesem Ort gewesen bin, es aber gar nicht gemerkt hatte. Der Grund war, dass, wenn man an diesem Ort selbst ist, wird man plötzlich ein Teil davon und so merkt nichts davon. Wie merkte ich das aber doch? Aus einem einfachen Grund:

 Ich kam auf die Idee mit der Welt da draussen, der «Zeit messender Welt» in Verbindung zu treten. Ich wollte ein Päckchen von den Örtlichen Spezialitäten meinen Kindern schicken. Dazu musste ich diese natürlich kaufen. Also, zuerst zum Bäcker diese zu bestellen auf den nächsten Tag, damit sie möglichst frisch ankommen. «Ja, ja, komm Morgen früh vorbei, sie werden fertig.» So erschien ich nächsten Tag dort vor der Bäckerei. Vor dem Laden! Hinein kam ich nicht da es geschlossen war. «Gut, dachte ich. Ist wohl noch zu früh. Da der Bäcker in der Nacht backen musste, hat sich das Ausschlafen am Morgen verdient.» Aber kurz vor Mittag war es immer noch geschlossen. Ungeduldig lief ich vor dem Laden hin und her, bis mich der Kaffee Inhaber von nebenan gesehen hatte und fragte, was ich will. «Wann macht die Bäckerei auf?» Aaa, das weiss ich nicht. Siehst Du das Boot da weit am offenen Meer? Das ist sein. Er ist am Fischen.» «Aha. Und wann kommt er zurück?» «Oh! Das weiss niemand. Manchmal bleibt er auch bis spät in der Nacht. Einfach, bis er was gefangen hat. Komm Morgen, dann ist er sicher zurück.» Eine lakonische Auskunft. Ich fügte mich verwundert.  Hat aber funktioniert. Nächsten Tag am Morgen, stand alles parat …mit einer kleinen Verspätung, in dieser Welt kaum der Rede wert.

Ein Teil der Sachen hatten wir vorher schon gehabt und den Rest sollten wir im nahegelegenen Ort noch holen. Der weg dahin war eine Wucht! 2km. Entlang der zerklüfteten Küste, vorbei an würzig duftenden Sträuchern und Pinien. Linker Hand die Aussicht auf das strahlend blaue Meer. In der Ferne die grünen Gipfel kleiner Inseln am Horizont verstreut, scheinen einem so nahe, dass man meinen könnte, bis dahin zu schwimmen wäre ein leichtes. Dann plötzlich liegt uns zu Füssen das kleine malerische Hafenstädtchen. Noch schnell die unzähligen Treppen runter und schon können wir uns ausruhen in einem der vielen kleinen Kaffees im Hafen. Dann los! Noch die letzten Sachen holen, damit das Päckchen geschnürt werden kann. Ich eile in den entsprechenden Laden. Hurra! Es ist offen! Auf der Theke stapelweise der Artikel, welche ich vor hatte zu kaufen. «Das ist einmal gut.» Dachte ich. Dann suchte ich den Verkäufer. Nirgends. Laden sperrangelweit offen, Regale voll von Waren, aber niemand herum der diese gute Sachen verkaufen will. Ich rufe, schaue in der Umgebung herum. Niemand. Jetzt? Was nützt mir ein Laden, der offen ist, ohne den Verkäufer? Unentschieden stehe ich da. Soll ich warten? Die Zeit vergeht. Nichts. Zum Schluss geht uns noch die Post zu, fürchte ich. Dann sehe ich an der Türe einen kleinen Zettel mit einer Nummer. «Vielleicht muss man anrufen? Ich probiere es. Die Werkstadt meldet sich. Ich erzähle mein Problem. «Warten sie dort» klingt die Antwort und wird abgelegt. Nach einer Weile höre ich von oberem Stockwerk trampeln. Ein junger Mann lächelnd begrüsst. «Möchten sie was kaufen?» «Ja, gerne.» «Haben sie lange gewartet? Ich war grad am Kochen.» Ich lächele auch, suche die Sachen zusammen, welche ich haben wollte und möchte zahlen. Nächstes Problem: kein aussen Geld.  Ich werde ungeduldig. «Langsam habe ich es eilig» sage ich. Der Junge setzt sich in Bewegung. «ein Moment, ich hole es schnell oben» und verschwindet wieder. Nach dem er wohl in seinen Töpfen gerührt hat, erscheint er mit dem Restgeld und der Kauf ist abgeschlossen. Wir verabschieden uns herzlich, ich eile zur Post und der angehende Koch zu seinen Töpfen.

In der Poststelle wollten wir eine geeignete Schachtel kaufen, damit die Sachen in gutem Zustand an die Gewünschte Adresse ankommen. ...Leider sind alle Schachteln ausgegangen. «Gehen sie welche holen in die Zentrale»…. Den ganzen Weg wieder zurück. In der Zentrale eine recht lange Schlange. Warten, warten. Endlich an der Reihe. Die Schachteln sind da. Erleichterung. Wir wollen zahlen. Aber…hoppla!... so einfach ist es nicht! «Was kosten eigentlich diese Dinger? Und was für eine Kodenummer haben sie?» Langes Suchen im Computer. Endlich ist auch diese Hürde überwunden. Wir haben alle unsere Sachen, wandern zurück ins Hotel damit wir alles schön verpacken können und nächsten Tag endlich abschicken.

Nächsten Tag zu einer eigentlich moderaten Zeit stehen wir vor der Poststelle mit unserem schönen Päckchen. Die Poststelle ist aber zu. Neben uns steht bereits auch eine andere ältere Kundin. Sie wundert sich: »Wo ist der den schon wieder? Eigentlich müsste er da sein.» Auf der Türe klebt ein Zettel «Komme gleich.» Gut, warten wir. Nach einer halben Stunde hören wir in dem schmalen Gässchen ein Motorrad. Mit quietschen bremst er vor dem Laden. Er springt ab und beeilt sich die Türe aufzumachen. «Ich hatte im Dorf nebenan einen neuen Zugang im Hotel und musste dort sein.» Schnell und speditiv erledigt er unsere Sendung. Wir sind erleichtert. Unser Päckchen ist abgeschickt.

Nachdem es die Zeitlose Zone verlassen hatte, brauchte es gerade 48 Stunden, und unsere Lieben haben es bekommen.

Wir genossen aber weiterhin weitere 2 Wochen OHNE STRESS.

 

Dennoch… gibt mir die Geschichte zu denken. Wie ist es möglich, dass die Menschen auf dieser Insel es geschafft haben sich diese Art erhalten, die Zeit einfach zu ignorieren? Bei der Wanderung ins Städtchen, sieht man am Meereshorizont einige Inseln, davon manche auch grössere recht nahe. Da denke ich, hatte es sicher regen Verkehr unter ihnen immer gehabt. Na ja. Wissen wir eigentlich wie gross diese «Zeitlose Gegend» ist? Wahr ist, dass gerade diese Inselgruppe eine von den entferntesten Gegenden von der Hauptstadt des Landes ist.  Ist das vielleicht ein von den Gründen?

Ich sammle einige von den Informationen, die ich während meinen vielen Aufenthalten auf der Insel in Erfahrung brachte und versuche mir diese aufzuzählen, um daraus vielleicht den Grund zu finden.

Die Insel hat eine uralte Geschichte, die bis in die Steinzeit reicht. Ihre Thermalquellen haben sicher die spätere Entwicklung bis in die Antike geprägt. Da wurden nämlich berühmte Bäder eingerichtet, die der Insel einen bedeutenden Reichtum brachten bis in die Zeit der Römer. Dann irgendwann durch Erdbeben wurden die Bäder zerstört und die Insel verarmte. In den folgenden Jahrhunderten die Eroberer und Herrscher kamen und gingen, einziges Interesse die Steuer Erhebung. Die Bevölkerung der Insel war nur auf sich gestellt. Sie waren sehr genügsam und durchaus im Stande sich selbstversorgen…. Bis dann… die Piraten kamen. Diese Plage war so schlimm, dass die Insel beinahe entvölkert wurde. Aber die verbliebenen Menschen haben gelernt sich zu schützen. Sie zogen sich von der Küste zurück in die zerklüfteten unwirtlichen Berge und dort bauten sie ihre Häuser, die praktisch für die Piraten unsichtbar waren. Nicht nur, dass sie durch die Bauweise in die Bergwände hineingebaut waren und durch den Gebrauch des gleichen Materials sich von der Felswand nicht unterschieden, sie besassen auf der Aussenseite auch keine Fenster. So sah man auch kein Licht in der Nacht. Licht und Luft fiel in ihre kleinen und kargen Behausungen nur durch die Decke. Gekocht und geheizt wurde nur so, dass man den entweichenden Rauch nicht sehen konnte. Ausser dem baute man auf den Gipfeln Aussichtstürme, durch welche man die Meeresengen beobachten konnte und die Inseln unter sich einander warnen konnten. Während der Zeit der Byzantinischen Herrschaft haben sich auf der Insel viele Aristokraten und hohe Beamten des Byzantinischen reiches niederlassen, welche dorthin verbannt wurden. Diese haben dort die Bräuche und Sitten der damaliger Metropolle eingeführt, wohl aus Gründen der Nostalgie nach ihrer verlorenen Heimat. Davon zeugen auch einige Bauten, Kloster und Kirchen…heute eher Ruinen.

Die späteren mächtigeren Eroberer der Inseln verjagten auch die Piraten. Die Bevölkerung der Insel aber blieb arm durch die ständige Besteuerung durch die verschiedenen Mächte. Die Menschen waren genügsam, fleissig und sehr gastfreundlich, trotz der ständiger Unterdrückung die sie nie los wurden.  Bis der Befreiungskampf des 19 Jahrhunderts ihnen der Weg gewiesen hat. 1911-13 war die Insel sogar ein freier Staat mit eigener Flagge und Verfassung.  Dem hat leider aber ein Ende bereitet der 1. Und 2. Weltkrieg. Die Insel blieb arm und deshalb sind viele ihrer Einwohner ausgewandert, ihre Heimat aber nie vergessen. Sie haben die Insel und Einwohner mit allen ihnen zu Verfügung stehenden Mittel unterstützt. Sie haben Strassenbau unterstützt, bau von Schulen, Häfen, sogar einem vorbildlichen Spital und archäologischem Museum.

Das ist alles recht, aber was hat das zu tun mit der merkwürdigen Beziehung der Bevölkerung der Insel zu dem «Fluss der Zeit»? Nur Geduld! Bald habe ich es. Ich spüre, dass ich dem Grund schon sehr nahe bin.

Bis jetzt waren die Einwohner der Insel Bauer, Fischer und Handwerker. Das, was man zum Überleben brauchte und darin waren sie auch ausgezeichnet. Natürlich gab es auch hervorragende Intelligenz. Wissenschaftler, Schriftsteller, Maler, Musiker, Politiker und alles was dazu gehört. Diese sind natürlich nicht immer auf der Insel tätig gewesen, aber dennoch sehr viel zum kulturellem Leben und Bewusstsein der Bevölkerung beigetragen. Und jetzt kommt der Moment der Erkenntnis. Diese kleine Insel war eine Einheit. Vielmals auf sich selbst gestellt. Nur die Einwohner damit sie überleben können, der eine abhängig von dem anderem. Das ist ihnen in das Bewusstsein eingeprägt worden. Vor allem in Winter, wenn das Meer unüberwindbar wurde, mussten sie mit allem selbst fertig werden. Und das taten sie auch. Auch dann, als die diktatorische Regierung ihre Häfen und Strände mit tausenden strafverbannten politischen Häftlingen überschwemmt hatte. Diese setzten sie dort aus, manchmal ohne Kleidung mitten im Winter. Viele waren krank, halb verhungert. Sie sassen, lagen da, ohne Dach über dem Kopf, ohne Nahrung. Damit sie nicht flüchten konnten, wurde die Insel noch einsamer, ein grosses Gefängnis. Und die Bevölkerung der Insel? Was haben diese verbrochen? Betraf diese die Straffe auch? Mit dem Problem hatte man sich aber nicht befasst. Man hatte sich einfach einige Tausend Kommunisten entledigt und damit hatte sich das. Die Menschen liessen die Verbannten aber nicht dort. Sie nahmen sie auf. Halfen ihnen wie sie konnten. Am Anfang war es schwer, sie mussten sich alles mit ihnen Teilen. Aber auch die Verbannten haben mit angepackt und nach und nach bildete sich auf der Insel eine neue aufgeklärte, selbstbewusste, Selbständige Gesellschaft. Das, was die Regierung im übrigen Lande vermeiden wollte, ist auf dieser Insel passiert. Das Leben da bekam eine andere Bedeutung. Mit den Jahrzehnten ist der politische Gedanke etwas in Hintergrund geraten, bei den Wahlen vielleicht wichtig, aber im Alltag? Da hat jeder gelernt die Prioritäten zu setzen nach eigenem Bedarf. So, wie sie dazu seit eh und je «verurteilt» waren. Die Zeit deshalb? NEBENSACHE.    

Die Insel trägt ihren Namen nach einem Helden aus der Griechischer Mythologie. Leider verunfallte der Held darauf während seiner Flugversuche auf der Flucht aus der Gefangenschaft. Aber sein Name und Statue zieren bis heute die Insel Ikaria.