Für Kinder

Von der vergessenen Geschichte, die nicht verloren gehen wollte.

Geschrieben von Blanca Maria Kallivroussis.

Von der vergessenen Geschichte, die nicht verlorengehen wollte.

Alle wissen, dass es sehr viele Geschichten auf der Welt gibt, die sehr schön sind und immer gerne erzählt werden. Da es aber immer mehr werden und mit der Zeit immer und immer mehr sind, werden manche vergessen, oder sogar gehen verloren. So ist auch passiert mit unserer Geschichte. Sie ist vergessen worden und ging auch verloren. Diese Geschichte gab sich aber damit nicht zufrieden. Sie hatte sich entschieden auf die Wanderschaft zu gehen, Kinder zu suchen, damit sie wieder neu erzählt werden konnte. So packte sie alle ihre Buchstaben zusammen und an einem schönen Tag ging sie los. Da sie aber verloren war, wusste sie nicht in welche Richtung sie gehen sollte, damit sie den richtigen Weg finden konnte. Sie dachte eine Weile nach und dann fand sie die Lösung. Sie schloss die Augen, drehte sich einige male im Kreis um sich selbst und dann ging sie los. Natürlich öffnete sie dann die Augen, sonst käme sie ja nicht sehr weit, da sie wahrscheinlich sehr schnell auf der Nase landen würde. Sicher würdet ihr Euch wundern: Geschichte hat Augen und Nase und läuft herum? Ja, diese Geschichte, grämte sich so lange, dass sie vergessen wurde, dass sich ihrer eine gute Fee erbarmte, verwandelte sie in ein klitzekleines Mädchen mit schwarzen Haaren, schwarzen Augen und braungelben Haut und ganz weißem Kleidchen, Strümpfen, Schuhen und Hütchen. Nur hatte die Fee das kleine Mädchen verpflichtet alle die Buchstaben, aus welchen ihre Geschichte bestand, immer mitzutragen. Damit das aber möglich wurde, machte sie die Buchstaben federn leicht. Auch einen Namen trug dieses Mädchen entsprechend seiner Geschichte: Lucinka.

So lief Lucinka In die Richtung, die ihr der Zufall schenkte und war sehr neugierig, was sie auf ihrer Wanderung antreffen würde und wie sie es anstellen konnte, dass man sie wieder erzählte. Sie lief und lief, bis sie ganz müde wurde. Ihre kleine Füße taten ihr weh, und der Rucksack mit den Geschichten Buchstaben, obwohl die Fee ihn federleicht gezaubert hatte, wurde immer schwerer. Inzwischen war sie im Wald auf eine Lichtung angekommen, wo überall weiches grünes Grass wuchs. „Ah! Das ist schön! Da kann ich mich hinlegen und etwas ausruhen!“ Rief sie erfreut. Sie legte endlich ihr Rucksack ab und setzte sich in das weiche Grass. Den Rucksack legte sie sich als Kissen unter den Kopf und legte sich müde hin. Es war ihr sehr bequem. So bequem, dass sie bald eingeschlafen war. Das war aber ein Fehler. Da kam zufällig ein Räuber vorbei, sah Lucinka da im Grass friedlich schlafen und sah auch den kleinen Rucksack unter ihrem Kopf liegen. Der Räuber war ein kleiner Wicht, der nie etwas in Ruhe lassen konnte. Überall störte er und nahm einfach Sachen an sich, die ihm nicht gehörten. Viele Sachen, die er den Menschen wegnahm, konnte er gar nicht brauchen. Er wusste gar nicht, wozu sie da waren. Er nahm sie einfach, weil sie nicht ihm gehörten, sondern den anderen. Manchmal war er so böse, dass wenn man ihm die Sachen nicht geben wollte, trat er die Menschen mit seinen kleinen Füssen, kratzte mit seinen langen Nägel und raufte an ihren Haaren und das so lange, bis er ihnen die Sachen entreißen konnte. Diesmal hatte er aber ein leichtes Spiel. Lucinka schlief tief und fest. Sie merkte es gar nicht als der Marbulus- so nannte sich der Wicht selbst-ihr den kleinen Rucksack unter dem Kopf hervor zog. Marbulus kicherte nur leise vor Freude und sprang mit seiner Beute davon.

Den ganzen Weg bis zu seiner Höhle sprang und sang er von lauter Freude. Schon freute er sich auf die guten Speisen, welche er in Lucinkas Rucksack vermutete. Endlich kam er an. Er setzte sich unter einen Baum vor seiner Höhle und so ungeduldig wie er war, ohne hinein zu schauen, löste er die Kordel auf und kippte den ganzen Inhalt auf die Erde unter seinen Füssen. „Ratatabum und zetter krach…“ purzelten die ganzen Buchstaben aus dem kleinen Rucksack. Da stand Marbulus plötzlich da mit einem offenen Mund. „Wa… wa… was ist den das! Kann man das denn essen?!“ Er hob einen Buchstaben auf und biss hinein. „Brr… gruuusssig!!!!“ Er spuckte es wütend aus. Jetzt war er aber wirklich wütend. So eine Mühe hatte er sich mit dem Diebstahl gegeben und so viel hatte er sich gefreut auf den bevorstehenden Schmaus und jetzt ist nichts damit?! Aus lauter Wut zertrampelte er die herumliegenden Buchstaben und verkroch sich dann in seiner Höhle.

In der Zwischenzeit versammelten sich auf der Wiese ein paar Tiere und bewunderten die schlafende Lucinka. „Ssssst! Weckt sie nicht!“ Flüsterten die Hasen zu den Eichhörnchen. „Ist die schön!“ Wackelte mit dem Kopf das Reh. „Woher kommt sie wohl? Gestern war sie noch nicht da?“ Flüsterten die Ameisen. „Passt auf, dass Ihr sie nicht erschreckt, wenn sie aufwacht!“ Kullerte mit den Augen die alte Eule, welche auch neugierig dazu kam. „Versteckt Euch lieber und wenn sie aufwacht, kommt einer nach dem andern aus dem Versteck!“ „Und ich wecke sie mit meinem schönem Gesang.“ Meldete sich die Lerche zu Wort. „Aber leise!“ Mahnten sie alle Tiere. „Na klar.“ Gab selbst sicher die Lerche zu Antwort. Sie flog hoch in den Himmel und sang von dort ihr schönstes Lied.

Lucinka streckte sich genüsslich in dem weichen Grass, verzaubert von dem schönen Gesang und öffnete endlich die Augen. „Wo bin ich?“ Fragte sie sich selbst. Und da ist es ihr schon eingefallen. „ Ja, ich bin doch auf die Wanderschaft gegangen, zu den Menschen, damit ich wieder neu erzählt werde!“ Sie setzte sich auf und langte nach der Stelle, wo doch ihr kleiner Rucksack sein sollte. War aber nicht. „Oh je!“ Rief die arme. „Die Fee sagte doch, ich muss es immer bei mir haben und jetzt ist es weg! Oh ich arme!“ Und Lucinka hat angefangen zu weinen und klagen. Das hielten die Tiere nicht aus und voll Mitleid mit dem schönen Mädchen, krochen sie eins nach dem anderem aus ihrem Versteck heraus. „Was ist den los, kleines Mädchen? Warum weinst Du den so?“ „Ach ich arme! Jetzt habe ich meinen Rucksack verloren, jetzt kann ich überhaupt nicht mehr erzählt werden, jetzt bin ich nicht nur vergessen, jetzt bin ich auch endgültig verloren! Ach! Ach! Ich unglückliche und zu allem wird mich sicher auch die Fee noch bestrafen, weil ich mein Versprechen nicht gehalten habe!“ „Sei nicht traurig! Sicher wird sich eine Lösung finden! Wir wollen Dir helfen. Sag uns wer Du bist.“ Lucinka schaute verwundert durch ihre Tränen um sich. Die Tiere alle kannte sie aus ihrer eigenen Geschichte, nur wunderte sie sich, wie sie auf die Wiese kamen, sobald sie angefangen hatte zu weinen. Sie wusste nicht, dass sie schon eine Weile dort versteckt waren. Das sagten sie ihr aber jetzt, nachdem sie ihnen von ihrem Unglück erzählte. „Wir wollen Dir helfen Lucinka“ sagte alle. „Aber wie? Wisst Ihr denn wo meine Buchstaben sind?“ „Das nicht, aber, wir könnten sie suchen.“ Schlugen die Eichhörnchen vor. „Aber wo?“ Fragte verzweifelt Lucinka. Da schnupperte plötzlich das Reh in der Luft: „Hmmmm… es riecht hier nach dem Wichtel Marbulus.“ „Oh je! Das wird wohl er der Dieb sein! Aber der wird sicher seine Beute nicht freiwillig hergeben!“ Warnten die Hasen. „Na, keine Angst! Den bringen wir schon zu Vernunft!“ Brüsteten sich kämpferisch die Ameisen. „Und ich weiß, wo seine Höhle ist. Ich führe Euch dorthin.“ Sagte die Eule und machte sich schon bereit um los zu fliegen. „Na also, dann weine nicht mehr Lucinka! Ales wird wieder gut!“ Trällerte die Lerche und versuchte Lucinka die Tränen mit ihren Flügeln zu trocknen.

So haben sich alle Freunde, den Anweisungen der Eule nach, zu der Höhle von Marbulus begeben. Als sie dort ankamen, wunderten sie sich nicht wenig. Auf dem Platz vor dem Eingang zur Marbulus Höhle lagen überall die Buchstaben aus Lucinkas Rucksack zerstreut. Manche waren ganz schlecht dran, in die Erde hineingedruckt und manche ganz zerknittert. Ein Buchstabe war sogar angebissen! „Marbulus! Marbulus! Komm heraus! Sag! Was hast Du mit Lucinkas Rucksack gemacht?“ Nichts ist geschehen. Stille als Antwort. Die Tiere wurden ungeduldig und Lucinka schluchzte wieder: „Die Fee wird mich sicher bestrafen und ich werde niemals erzählt!“ „Marbulus! Antworte doch!“ Riefen jetzt alle Tiere zusammen. Plötzlich fliegt etwas aus der Höhle und verhängt sich auf dem Kopf vom Reh.“ Mein Rucksack!“ Rief voll Freude Lucinka. Sie befreite das Reh von seiner ungewöhnlichen Kopfbedeckung und fing an alle zerstreuten Buchstaben einzusammeln. Die verschmutzten versuchte sie zu säubern und die zerknitterten glättete sie mit ihren kleinen Händen. Als sie aber zu der angebissenen gekommen war, wusste sie nicht, was zu machen. Es war der Buchstabe B und da fehlte ein richtiger Halbkreis darin. „Hm, der sieht jetzt aus wie der Buchstabe P. Oj!, oj!, wird man überhaupt meine Geschichte verstehen?“ Sorgte sich Lucinka. „Das wird schon wieder.“ Trösteten sie die Tiere. Und wie sie da alle so standen und redeten, kam plötzlich Marbulus aus seiner Höhle heraus und schimpfte. „So ein aufsehen macht Ihr wegen diesen Dingen, dabei kann man sie gar nicht essen! Beinahe hätte ich mir einen Zahn kaputt gemacht! Was wollt ihr denn alle damit hier?“ „Du hast beinahe Lucinkas Geschichte zerstört! Die kann man doch nicht essen!“ „Geschichte? Hm, komme ich auch darin vor? Und was erzählt sie denn von mir? Gutes, oder schlechtes?“ „Das wissen wir ja gar nicht! Du hast die Buchstaben gestohlen und jetzt sind wir da.“ Lucinka nahm den Rucksack auf den Rücken und wollte weiter gehen. Als sie sich von den Tieren verabschieden wollte, schnappte sie Marbulus an den Haaren und schubste sie in die Höhle. „Das hätte Dir so gepasst. Du gehst jetzt los, und ich weiß gar nicht, was Du vor hast über mich zu erzählen. Du bleibst da, bis ich weiß, was für eine Geschichte Du mit Dir herumträgst.“ „Hi,hi,hi!“ Lachten die Tiere. „Las sie Los, Du kannst ja sowieso nicht lesen und wenn Dir es jemand vorließest, glaubst Du es sowieso nicht!“ Dann muss das Mädchen mir das Lesen beibringen und ein bisschen Hoppla!“ Schrie Marbulus und wedelte dabei mit den Händen, damit kein Tier in die Höhle hinein konnte um Lucinka zu befreien. „Nein! Nicht so!“ Wurden die Tiere wütend. Die Ameisen kletterten auf Marbulus und haben angefangen ihn zu beißen, die Eichhörnchen kletterten auf die Tanne welche in der Nähe gestanden hatte und bewarfen Marbulus mit Tannenzapfen, Das Reh drehte ihm seinen Hinteren zu und bewarf ihn mit der Erde die es mit seinen Hufen ausgeschlagen hatte. Die Erde kam in Marbulus Augen und er sah plötzlich nichts. Das nützten die Hasen aus und schlüpften in die Höhle und zogen Lucinka hinaus. Die Lerche trällerte vor Freude und die Eule hüpfte auf Marbulus Kopf. Siehst Du? Das hast Du davon dass Du zu allen so böse bist. Du weißt es und hast Angst, dass es alle erfahren werden. Wie wäre es mit einer Besserung?“ „Nöö… zu anstrengend,“ brummte Marbulus und versuchte mit der einer Hand die Erde aus den Augen zu reiben und mit der anderen Hand die Eule von seinem Kopf zu jagen. Dabei schrie und hüpfte er herum, weil die Ameisen ihn überall kitzelten und bissen. Da tat es der Lucinka leid und sie bat ihre Helfer um Gnade für Marbulus. Der jammerte so sehr und versprach sich zu bessern, dass sie ihn zum Schluss in Ruhe ließen. Da hatte Lucinka eine Idee. „Du, Marbulus?“ „Waaas“ „Nicht waas, ja bitte? Sagt man.“ Korrigierte ihn Lucinka. „Na dann also: ja, bitte?“ Seufzte der geplagte Wicht. Du willst doch lesen lernen, damit Du weißt worüber meine Geschichte handelt, oder?“ „Hab ich doch gesagt, nicht?“ „Versprichst Du das? Dann bring ich Dir das bei, aber wehe, Du weigerst Dich! Da kommen alle Tiere wieder und Du weißt schon!!!“ „Ja, doch, ich mache das und jetzt fang lieber schon an!“ „Gut und wenn Du es dann kannst und die Geschichte gelesen hast, rufen wir alle Tiere wieder hierher und Du erzählst allen meine Geschichte als erster. So werden alle zufrieden und mein Wunsch wird in Erfüllung gehen.“

So geschah es auch. Wir brauchen nicht erzählen, dass es sehr viel Mühe gekostet hat den widerspenstigen Marbulus dazu zu bringen, die Buchstaben eine nach der anderen zu lernen. Um die Wahrheit zu sagen, wir alle wissen, dass es wirklich nicht leicht ist. Aber nach und nach schafften sie es doch. Deshalb war auch die Freude beider sehr groß, als Marbulus wirklich alles schön fließend lesen konnte. Überhaupt verwandelte er sich in einen anständigen Wicht. Er half Lucinka sogar alle Buchstaben zu säubern und glätten. Nur den angebissenen konnten sie nicht flicken, da das abgebissene Stückchen nirgends zu finden war. Hatte es Marbulus zum Schluss doch gegessen?

Dann kam der Tag, an welchen Lucinkas Geschichte endlich gelesen werden sollte. Die beiden wurden richtige Freunde und zusammen räumten sie den Platz vor Marbulus Höhle. Sie schmückten die ganze Umgebung und sammelten auch köstliche Beeren für alle Tiere. Dann riefen sie alle zusammen. Endlich sollte die Geschichte erzählt werden. Marbulus war ein bisschen bange. Er hat das letzte zusammentreffen mit den Tieren nicht vergessen. Umsonst hatte er Angst. Die Tiere waren sehr freundlich zu ihm, bedankten sich für die Einladung und nahmen erwartungsvoll Platz. Lucinka setzte sich zu den Tieren und Marbulus nahm Platz vor ihnen auf einem Stein. Lucinka schüttelte die Buchstaben aus ihrem Rucksack vor den sitzenden Marbulus. Diese reihten sich sofort in Wörter und ganze Sätze bildeten sich vor ihm. Die Geschichte lag zu seinen Füssen. Nur Lucinka konnte so etwas bewirken. Marbulus holte tief Luft und fing an zu erzählen.

„Es war einmal ein großes Königreich. Es war umgeben von hohen Bergen. Große und tiefe Wälder bedeckten diese Berge bis fast zu den mit Schnee bedeckten Spitzen. In den Tälern lebte von jeder Seite ein Volk. Sie lebten in Freundschaft, besuchten einander zu Feiern und trieben Handel mit ihren Erzeugnissen. Da sie meistens arm waren, hatten sie wenigstens einander nichts zu neiden. Beide Völker hatten aber großen Respekt von ihren Bergen. Das leben dort war sehr hart und das Wetter dort zu jeder Jahreszeit rau und unvorhersehbar. Dort, wo die Sonne schön schien und die Wanderung von einem Dorf zu anderem ein Spaziergang schien, plötzlich verdunkelte sich der Himmel, ein starker Wind kam auf. Im Wald lärmte es und pfiff es so schrecklich, dass jeder Angst bekam. Die Äste der Bäume schlugen um sich, es kam Hagel und Regen oder Schnee auch im Mai auf die armen Wanderer herunter. Das war der Grund, dass die Bewohner der Bergtäler an einen Berggeist glaubten und erzählte sich unglaubliche Geschichten. Sie glaubten, dass dieser Berggeist der König dieser Berge ist und Befehlshaber von unzähligen Wichter und Feen. Dieser Berggeist bekam von den Menschen viele Namen. Zwei davon verraten wir ihnen. „Rübezahl und Krakonos. Die Menschen erzählten sich, dass er zwar streng zu den Menschen war, aber auch gütig und gerecht. Besondres lieb war er zu den Kindern. Er beschützte sie und half ihnen wenn sie sich in Not befanden.

Und so hatte auch Lucinkas Geschichte angefangen.

Es lebte einmal in diesen rauen Bergen eine Webers Familie. Mutter, Vater und ein Mädchen Lucinka. Sie waren sehr arm aber glücklich, denn die Eltern waren jung, gesund und hatten große Freude an ihrem Mädchen. Das gedieh auch prächtig in ihrer Waldhütte. Jeden Tag lief sie in den nahen Wald, sammelte Beeren und spielte mit den Waldtieren, die ihre Freunde waren. Im Winter war es aber anderes. Da musste Lucinka zuhause bleiben, denn sehr oft war ihre Hütte bis zu den kleinen Fenstern eingeschneit. Lucinka sorgte sich um die Tiere im Wald. Sie dachte, dass sie wohl keine Nahrung finden würden. Ihre Eltern beruhigten sie aber, denn die meisten Tiere schliefen im Winter in ihren Höhlen und merkten nichts von dieser schwierigen Zeit. Nur die Vögel würden Mühe haben ihr Futter unter dem Schnee zu finden, aber da würde schon der Krakonos für sie sorgen. Er ließ viele süße Beeren auf den Bäumen wachsen und ließ starken Wind den Schnee von den Ästen fegen, damit sie diese finden können. So beruhigte sich Lucinka und wartete ungeduldig auf den Frühling.

Der Winter aber zog sich in die Länge und in der kleinen Hütte gingen der Webber Familie die Vorräte zu ende. Auch der Leinfaden und Wolle wurden bereits verwoben und die fertigen Stoffe warteten darauf verkauft zu werden. So entschied sich Lucinkas Vater doch schon los zu gehen um den Stoff zu verkaufen und neue Nahrungsmittel zu kaufen. Lucinka wollte unbedingt mitgehen. Sie hoffte auf dem Weg ihre Freunde-die Waldtiere zu sehen. Der Vater sagte ihr aber, dass die Tiere immer noch schliefen und der Weg im Schnee viel zu beschwerlich für sie wäre. Er erlaubte ihr aber, ihn bis zum Waldrand zu begleiten und nachher wieder zurück Heim zu gehen. Lucinka war zwar nicht glücklich über den Vorschlag, nahm ihn aber an in der Hoffnung doch noch ihre Freunde sehen zu können. So zog sie sich warm an und folgte ihrem Vatter auf den verschneiten Weg bis zum Waldrand. Ihr Vatter vergaß ihre Vereinbarung aber nicht und am Waldrand nahm Lucinka liebevoll in die Arme und verabschiedete sich von ihr. Nochmals nahm er ihr das Versprechen ab, direkt Nachhause zu gehen. Das versprach Lucinka auch und kehrte tatsächlich dem Waldrand den Rücken um Heim zu gehen. Nach einer Weile drehte sie sich aber noch einmal zurück, sie wollte ihrem Vatter nochmals winken. Er war aber bereits im Wald verschwunden. Lucinka seufzte enttäuscht und mit traurig heruntergehängtem Kopf lief sie Nachhause. Sie verfolgte ihre und Vaters tiefe Spuren die sie in dem strahlendweisen Schnee hinterlassen hatten. Da sah sie aber plötzlich in dem Schnee andere Spuren. Das waren doch Hasenspuren! Sie jauchzte von Freude. In dem Moment vergaß sie jegliche Versprechungen, drehte sich um und lief den Spuren ihrer Freunde nach. Ihre kleinen Füße versanken in dem tiefen Schnee, der in ihre kleinen Stiefel von oben drang und sehr schnell diese nass machte. Sie achtete nicht darauf. Nur schnell, schnell! In den Wald hinein, den Spuren nach. Sie rief ihre Freunde, suchte, drehte sich im Kreise, rief erneut, aber nichts. Bis auf ein paar Krähenschreie, war es um sie Still. So wollte sie enttäuscht zurück Nachhause gehen, wie sie auch versprochen hatte, aber oh weh! Es hatte inzwischen angefangen zu schneien und der Schnee verdeckte die Spuren.

Da merkte Lucinka, dass sie sich im Walde verirrt hatte. Sie bekam Angst und wurde traurig, da sie wusste, dass sie ihr Versprechen nicht eingehalten hatte und ihren Eltern sicher Sorgen bereiten würde. Daher wollte sie so schnell wie möglich wieder aus dem Wald hinaus kommen. Sie lief in eine Richtung, die ihr als die beste erschien und beeilte sich sehr, obwohl der tiefe Schnee sie an ihrem vorwärtskommen hinderte. Langsam wurde sie müde und rief ihre Freunde, die Waldtiere zu Hilfe. Sie hoffte, dass auch wenn sie schliefen, sie durch ihr rufen geweckt würden und ihr zu Hilfe kämen. Nichts geschah aber. Es wurde langsam dunkel. Im Wald kam gewöhnlich die Nacht früher und das musste auch Lucinka erkennen. Ängstlich spähte sie zwischen die dichten Äste der Bäume in die Dunkelheit. Plötzlich sah sie ein Licht. Da rannte sie freudig darauf nichtachtend auf die Äste, welche ihre Hände und Gesicht zerkratzen drohten. Auf eine Lichtung ankommend, blieb sie stehen. Vor ihr stand ein kleines Schloss. Es war umzäunt mit einem Rosenzaun und oh Wunder, die Rosen blühten wunderschön. Lucinka blieb stehen. Strahlendes Mondlicht beleuchtete die ganze Wiese mit dem Schloss. Sie wagte nicht weiter zu gehen. Und siehe da! Ein kleines Gartentor öffnete sich langsam vor ihr. Sie zögerte hindurch zu gehen und stand unentschlossen da. Dann ging mit lautem knirschen das Tor vom Schloss auf. Man konnte hinein sehen in ein beleuchteten Saal, der zum Tor mit drei Stufen endete. Diese Stufen herunter sprang im Moment ein kleiner Junge, der wie ein Zwerg aussah. Er winkte Lucinka mit beiden Händen hinein zu kommen. Da wagte sie es und näherte sie sich dem Jungen. Er nahm sie an der Hand und zog sie hinein in das Schloss. Das Tor ging mit knirschen und krachen zu. Lucinka erschrak. „Wie komme ich dann wieder hinaus?“ „Ganz einfach, wieder auf denselben Weg.“ Antwortete schelmisch der Junge.

„Ich bin Marbulus und wie heißt Du?“ „Lucinka, und wo bin ich hier? Ich wollte eigentlich Nachhause gehen und da habe ich mich im Wald verirrt.“ „Hm, sicher hast Du was angestellt. Sonst wärest Du nicht hier.“ „Ich?! Sicher nicht! Immer befolge ich, was meine Eltern mir sage…   Oh, ja! Doch! Meine armen Eltern! Jetzt werden sie sich sicher große Sorgen um mich machen! Und wie komme ich wieder Heim?!“ Lucinka fing an zu weinen und auch Marbulus konnte sie nicht mit den liebsten Wörtern beruhigen.“ So, jetzt hör endlich auf mit dem Weinen. Deine Eltern machen sich vorläufig keine Sorgen. Dein Vater braucht sicher drei Tage bis er zurückkommt und Deine Mutter glaubt, Du bist doch mit ihm gegangen. Wenn Du bei mir drei Tage brav gedient hast und diesen unartigen Jungen zu Vernunft bringst, bringe ich Dich rechtzeitig Nachhause und Deine Eltern werden sich keine Sorgen machen müssen. Du aber musst dann doch alles erzählen, sie werden Dir dein Ungehorsam sicher verzeihen, da Du schon selbst genug bestraft wurdest. So und jetzt an die Arbeit!“ Lucinka drehte sich mit Schrecken nach der donnernden Stimme und sah plötzlich einen Riesen vor sich mit einem Schneeweisem Bart und dickem Stock in seiner Hand. Seine Augen aber sahen sie gütig an so, dass sie im Augenblick keine Angst mehr hatte.

Lucinka beruhigte sich und da sie bald wieder nachhause kommen wollte, fragte sie sofort nach den Aufgaben, die sie zu erfüllen hatte. Der alte, Mann, Krakonos hieß er, wie ihr später der Marbulus verraten hatte, führte die beiden in einen Raum neben der Küche im Untergeschoss des Schlösschens. Es war die Speisekammer. Alles stand da durcheinander herum, die Regale schmutzig, der Boden auch. „So, da sind wir. Macht ihr hier schön Ordnung, wascht alles ab und ordnet die Sachen schön auf den Regalen. Und… Vorsicht! Nicht naschen!“ Lucinka und Marbulus nickten eifrig und versprachen alles gut zu machen und befolgen. Der Krakonos verschwand genauso wie er vorhin erschienen war und die zwei machten sich an die Arbeit. In der Küche holten sie Eimer, Wasser und Lumpen und machten sie sich ans Werk. Als alles wieder blitz blank wurde, räumten sie die Töpfe mit den Vorräten auf die Regale. Da wurde es dem Marbulus zu viel, er hatte angefangen schlampig zu arbeiten mit der Ausrede dass er müde war und Hunger hatte. Er wollte unbedingt etwas aus den Vorräten aus den Töpfen kosten. Lucinka wollte es ihm nicht erlauben und nahm ihm den Topf aus den Händen. Das wollte wiederum Marbulus nicht sein lassen und so, wie sie an dem Topf herumrissen, rutschte es ihnen aus den Händen und zerschellte am Boden. Das Apfelmus, welches drinnen war, verteilte sich überall am Boden und auch auf ihren Kleidern. Beide erstarrten von Schrecken. Marbulus, der Schleckmaul aber hatte angefangen seine Kleider abzuschlecken mit der Rechtfertigung sich säubern zu wollen. Lucinka warnte ihn, weil sie sich das Verbot von Krakonos gut merkte. Marbulus hörte aber nicht auf und fing an auch von Lucinkas Kleider das Apfelmus zu schlecken. Da sah Lucinka mit Schrecken, dass Marbulus in dem ausgeleerten Apfelmus am Boden kleben blieb und sich nicht vom Fleck rühren konnte. Er wollte seine Schuhe abziehen, aber auch das ging nicht. Er bemühte sich verzweifelt, sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, aber, nichts half. Er hatte angefangen zu betteln, dass ihm Lucinka half. Sie war aber sehr böse auf ihn und tadelte ihn. „Siehst Du, was Du angerichtet hast! Jetzt werde sicher auch ich bestraft und werde nicht rechtzeitig Nachhause kommen und meine Eltern werden sich große Sorgen um mich machen.“ „Ja ja, ich weiß doch, aber hilf mir bitte jetzt! Zieh mich weg, dass ich hier weg klebe! Bitte! Bitte!“ „Zuerst versprichst Du, dass Du nächstes Mal befolgst, was der Krakonos sagt!“ „Ja, ja, sicher! Ich mache Das nächste Mal nicht mehr! Nur bitte, bitte mach schon!“ Marbulus weinte herzzerreißend und große Tränen kullerte ihm die mit Apfelmus verschmierte Backen herunter und hinterließen klebrige Spuren auf seinen Kleidern. Auch Lucinka war ganz verschmiert und auch ihre Hände waren voll von dem süßen Brei, welcher den Marbulus seine Freiheit kostete. Lucinka konnte ihn nicht mehr so sehen, er tat ihr leid und so packte sie ihn an seinen Kleidern und zog an ihm aus allen Kräften. Und siehe da! Marbulus klebte plötzlich ab und wie Lucinka all ihre Kraft zum Ziehen verwendete, da sie Wiederstand erwartete, fielen beide mit großem Plumps in den ausgeleerten Brei am Boden. In dem Moment hörten sie eine donnernde Stimme: „So habt Ihr meine Anweisungen befolgt?! Schaut mal was Ihr angerichtet habt!“ Da haben die beiden angefangen zu weinen und klagen, da sie Angst vor Strafe hatten. Krakonos natürlich wusste, wie sich alles zugetragen hatte und so entschied er. „So, ihr macht alles wieder schön sauber und dann geht ihr für heute schlaffen. Marbulus, da er schon satt ist von dem genaschten Apfelmus, kriegt nichts. Lucinka hat in der Küche ihr Nachtessen. Marbulus zeigt Lucinka nachher ihr Zimmer. Morgen kriegt ihr eine neue Aufgabe. Hoffentlich macht Ihr das besser.“ Mit diesen Worten verschwand Krakonos wieder. So geschah es auch und die Zwei waren auch richtig froh, als sie in ihren weichen Bettchen lagen.

Nächsten Tag, nachdem sie sich schön artig gewaschen hatten und sauber angezogen in der Küche erschienen waren, wartete dort schon Krakonos mit der nächsten Aufgabe. Nach dem Frühstück gab er jedem ein Körbchen gefüllt mit kleinen Zwiebelchen, führte sie in den Garten, und zeigte ihnen zwei frisch umgegrabene Beete. Er gab jedem auch ein Holz Keil, damit sie Löcher in der Erde machen konnten und zeigte ihnen, wie sie die Blumenzwiebelchen pflanzen sollten. Die beiden nickten eifrig mit ihren Köpfen. Sie wollten wirklich alles richtig machen. Es war auch ein wunderschöner Tag, als ob es gar nicht Winter wäre in Krakonoschs Garten. Die Vögel zwitscherten, die Blumen dufteten und es war schön warm. Beide haben mit ihrer Arbeit angefangen und nach dem sich Krakonos überzeugt hatte, das die beiden verstanden hatten was zu tun war, verschwand er.

Lucinka und Marbulus meinten zu Anfang, dass ihre Arbeit diesmal etwas leichter wäre, aber da hatten sie sich geirrt. Bald taten ihnen die Knie und der Rücken weh. Lucinka, welche gewöhnt war Zuhause mit der Hausarbeit zu helfen, hatte größere Ausdauer und arbeitete weiterhin gewissenhaft. Nicht so aber Marbulus. Er machte plötzlich ganz große Löcher in seinem Beet und steckte immer mehrere Blumenzwiebel ins gleiche Loch. Dann deckte er es schnell mit der Erde zu, damit es niemand sah. So wurde er viel schneller fertig mit seiner Arbeit als Lucinka und hat angefangen sie zu necken und ärgern. Lucinka beeilte sich so sehr sie nur konnte und war sehr froh als auch das letzte Zwiebelchen in ihrem Beet sein Platz fand. Kaum war sie fertig, geschah etwas Wunderbares. Die Erde oberhalb der eingepflanzten Zwiebelchen hatte angefangen sich zu bewegen und darunter erschienen die keimenden Blumen, die ganz schnell aus der lockeren Erde wuchsen. Sie wurden immer grösser und haben angefangen wunderschön zu blühen. Die beiden standen da und bewunderten diese Farbenpracht. Da hörten sie hinter sich von dem Beet welches Marbulus bepflanzt hatte großes Streiten und Klagen. Erschrocken drehten sie sich um. Was sahen sie aber da? Auch auf diesem Beet wuchsen die Blumen aus den gepflanzten Zwiebelchen, aber da sich mehrere das gleiche Loch teilen mussten und dafür zu wenig Platz hatten, haben sie angefangen sich zu schupfen und streiten. Ja, manche hatte der Marbulus verkehrt in die Erde gesteckt und so waren sie gewachsen mit den Wurzeln nach oben und mit den Blütenköpfchen steckten sie in der Erde und jammerten. Lucinka war erschrocken und hatte angefangen alles wieder in Ordnung zu bringen. Dabei schimpfte sie mit dem faulen Marbulus. Dieser schämte sich und versuchte sich zu rechtfertigen. Das half aber nicht und so versuchte er auch wieder die Blumen an den richtigen Platz jede einzeln zu setzen. Dies war aber umso schwieriger, da die Blumen jetzt gros waren und für ihre Wurzeln ein größeres Loch brauchten. Beide waren ganz verschwitzt und voll Erde als der Krakonos vor ihnen erschien. Natürlich wusste er was passiert war, aber da die beiden sich so bemüht hatten alles wieder gut zu machen, schimpfte er diesmal nicht. Beide waren sehr müde nach der getaner Arbeit und so sind sie nach dem Nachtessen bald schlafen gegangen.

Am nächsten Morgen fragte sich Lucinka, was für eine Aufgabe wohl der Krakonos für sie bereit hätte. Das erfuhren die beiden dann auch bald nach dem Frühstück. Krakonos führte die beiden Kinder hinter das Schlösschen zu einem Holzverschlag. Davor auf einem Platz lag ein Haufen fertig geschnittenen Holzes. „Seht ihr, die anderen Wichtel haben das Holz geschnitten und zerhackt. Ihr braucht es nur dort hinein zu stapeln. Und er zeigte ihnen, wo sie es stapeln sollten. Marbulus freute sich. „Das war jetzt eine richtige Arbeit für ihn“, meinte er. Krakonos lächelte nur und verschwand wieder. An der Stelle, wo er vorher stand, sahen sie nur ein Körbchen mit dem Mittagessen für sie , wie auch am vorigen Tag. Diesmal kümmerte sich der Marbulus nicht darum, er war voll Eifer an die tolle Arbeit ran zu gehen. Sie teilten sie die Seiten am Verschlag und fingen an. Lucinka kannte sich mit Holzstapeln aus, denn auch Zuhause half sie mit dieser Arbeit ihren Eltern. Ihr Vater zeigte ihr wie sie die Holzscheite legen sollte, damit das gestapelte Holz schön grade bleibt und nicht einstürzt. Hie und da schaute sie auf den Stapel von Marbulus. Da sah es aber gefährlich aus. Die Holzscheite unordentlich auf einander geworfen neigten sich bald nach vorne und drohten zu kippen. Lucinka warnte Marbulus , dass der Stapel bald kippen wird und ihn womöglich unter sich begraben wird. Er aber lachte nur und warf weitere Scheite auf den Berg. Lucinka drehte sich gerade ihrem Stapel zu, als es auch schon krachte. Und das Geschrei! Marbulus lag ganz begraben unter dem Ganzen Holz, das er so unvorsichtig auf den Stapel warf. Jetzt bekam Lucinka Angst um ihn und eilte ihm zu Hilfe. Schnell versuchte sie das Holz von Marbulus abtragen, denn er schrie ununterbrochen. Endlich kam er zum Vorschein. Lucinka zog ihn heraus und klopfte ihm die Kleider aus. Sie sah, dass ihm sonst nicht viel passiert war, außer, dass er so richtig durchgeklopft war. Geschah ihm auch recht, wo er doch so schlampig gearbeitet hatte. Lucinka wollte wieder an ihre Arbeit zurückgehen, aber Marbulus bettelte, dass sie ihm doch zeigte, wie er das Holz richtig stapeln sollte. Immer und immer wieder zeigte sie ihm, wie die Scheite gelegt werden sollten, damit sie nicht wieder stürzten. Der faule Marbulus aber tat nur so, dass er nicht verstand. Er hatte erwartet, dass Lucinka auch seinen Stapel Holz räumen würde. Als sie das merkte. Wurde sie wütend. Sie drohte ihm, dass sie die bereits gestapelte Scheite wieder einreißen würde, wenn er nicht augenblicklich anfangen würde zu arbeiten. Das half. Lucinka war aber sehr böse auf ihn und sprach bis Ende der Arbeit kein Wort mit ihm. Marbulus wusste, dass er es verdient hatte und bemühte sich jetzt alles richtig zu machen. Er wartete auch artig mit dem Mittagessen auf sie und versuchte sie ständig zu besänftigen. Sie gab aber nicht nach. Erst als sie mit der Arbeit ganz fertig wurden und alles zu ihrer Zufriedenheit war, lächelte sie ihn an und bedankte sich. Sie wusste, dass sie nächsten Tag heimgehen durfte und freute sich. Nicht so aber Marbulus. „Dann werde ich hier wieder alleine sein“. Maulte er herum. Lucinka versuchte ihn zu trösten und erzählte ihm von ihren Freunden den Tieren im Wald. Die könnten auch seine Freunde werden, wenn er nicht immer nur Unfug im Kopf hat. In dem Moment erschien der Krakonos und war sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Dafür bekamen sie ein Festessen im Schlösschen mit vielen weiteren Wichteln und Feen. Sie haben alle viel Spaß miteinander gehabt, spielten verschiedene Spiele und die Feen tanzten und sangen wunderschön dabei. Marbulus und Lucinka habe ihre ganze Müdigkeit vergessen und tanzten und spielten mit allen den Fabelwesen, als ob sie nie was anderes gemacht hätten. Als sie am Ende des Festes in ihre Bettchen ganz müde fielen, schliefen sie sofort ein.

Das war auch gut so, den Lucinka würde sicher von lauter Erwartung des morgigen Tages nicht einschlafen können und Marbulus aber gerade, weil Lucinka weg gehen würde. Die beiden wurden in der kurzen Zeit richtig gute Freunde und Marbulus fürchtete, dass er wieder alleine im Schloss bleiben würde und… na ja… auch alle Arbeiten selbst machen müsste. Zu zweit machte es viel mehr Spaß. Lucinka aber dachte nur daran, dass sie rechtzeitig ihren Vater treffen konnte, damit sich niemand um sie Sorgen machen musste. Das nahm ihr Marbulus übel, dass sie gar nicht an ihn dachte. Deshalb sass er dann am Morgen am Frühstück mit einer heruntergehängter Miene und sprach mit ihr kein Wort. Lucinka bemühte sich zu erfahren was mit ihm los war, er antwortete ihr aber nicht. Sie wurde auch traurig, denn sie mochte den schelmischen Wicht und dachte, sie sind gute Freunde geworden in den drei Tagen wo sie zusammen waren. So war die Stimmung sehr betrübt zwischen ihnen, als ihnen der Krakonos in der Schlossküche erschien. „Na, was ist den los Marbulus? Warum machst Du das Mädchen traurig? Schau, sie bemüht sich so Dich zu erheitern und Du hast die ganze Zeit nur heruntergehängte Miene. Was ist los?“ Der Krakonos wusste natürlich alles, aber wollte, dass Marbulus zu Lucinka sagte was ihn traurig machte. „Joh… sie geht jetzt zu sich Nachhause und ich bleibe hier wieder alleine…“ „Und das passt Dir nicht?“ „Neeh… es war ganz lustig wie wir alles zusammen machten. Ich will nicht wieder alleine hier sein!“ Sagte er trotzig. „Weißt Du aber, warum das so ist? Sag das schön laut, damit wir das beide von Dir hören!“ Sagte zu ihm der Krakonos. „Ja…, ehm… ich habe die anderen Wichtel so geplagt, dass sie mich der Bösewicht genannt hatten und niemand wollte mit mir zusammen sein. So bin ich zu Dir gekommen…“ „Und mich hast Du auch ganz schön geplagt…“ „Ja, ich mache es nicht mehr, aber Lucinka soll nicht weg gehen… huuuu… huuu…“ Und Marbulus hat angefangen zu weinen und saß da wie ein armer Tropf, bis er Lucinka leidgetan hat. Sie sprang auf und umarmte ihn. Sie streichelte ihm seine strubbeligen Haare und drückte ihn an sich. “ Du musst nicht weinen, Du kannst mich sicher besuchen in unseren Waldhütte und ich vergesse Dich sicher nie.“ Marbulus hob den Kopf und schaute sie glücklich an. Schon wollte er sich freuen, als der Krakonos unterbrach: „So einfach ist es nicht Lucinka. Wenn Du hier heraus kommst, kannst Du nicht mehr zurückkommen. Du wirst das Schlösschen nie mehr finden. Und Marbulus wirst Du auch nicht mehr sehen. Die Wichtel sind für die Menschen unsichtbar. Du hast und jetzt nur deshalb gesehen, weil wir das wollten und Dich in unser Reich kommen ließen. Wir Waldwesen leben ewig, Ihr Menschen seid aber sterblich. Wir leben in unserer Welt und Ihr in Eurer. Wir haben Dich hier gerne gehabt, aber Du musst wieder in Deine Welt zurückkehren. Vergiss uns nicht! Und Du Marbulus! Wenn Du Dich wirklich gebessert hast und versprichst, dass Du Deine Brüder in Ruhe lässt, darfst Du wieder zu ihnen zurück. Es steht Dir aber noch eine Prüfung bevor. Wenn Du sie bestehst, bist Du nicht mehr alleine. So, und jetzt kommt, Lucinka muss sich auf den Weg machen. Zieht Euch warm an, es ist noch Winter draußen in der Menschenwelt.“

So sind sie alle Drei zu dem Rosengarten Türchen gegangen. Als sie davorstanden, verabschiedete sich der Krakonos von Lucinka, klopfte an das Garten Türchen, das öffnete sich und er verschwand. Aber oh weh! Vor ihnen türmte sich der Schnee Meter hoch! Verzweifelt hatte Lucinka angefangen zu graben mit ihren kleinen Händen. Natürlich schaffte sie nicht viel. Sie bekam Angst, dass sie sich verspäten würde zu ihrem Vatter zu kommen und begann zu weinen. Marbulus stand da und freute sich. So würde Lucinka bei ihm bleiben. Sie konnte ja nicht durch den vielen Schnee kommen! Sie weinte und lamentierte und bat Marbulus ihr zu helfen. Er sagte aber, dass er froh wäre wenn Lucinka bei ihm bliebe, sie würden es schön haben. Da verstand Lucinka, dass Marbulus zum ersten Mal verstanden hatte wie schön eine Freundschaft sein kann. Bis jetzt aber hatte immer Lucinka Marbulus aus der Patsche geholfen. Jetzt war die Reihe an ihm. Nur so gibt es eine wirkliche schöne Freundschaft. Sie umarmte ihn und versprach ihn nie zu vergessen. Sie würde ihm immer ihre Grüße schicken durch ihre Freunde die Waldtiere und so würden sie für immer Freunde bleiben. Nach und nach verstand Marbulus auch, dass wenn Lucinka bleiben müsste, weil er ihr nicht geholfen hätte, sie auch keine gute Freunde mehr wären. So seufzte er tief: „Na, also gut, aber… versprochen! Du vergisst mich nicht!“ „Versprochen! Nie! Nie!“ Marbulus steckte seine Finger in den Mund und pfiff durchdringlich. Um ihn herum erschienen viele kleine Wichtel. Sie haben alle ein bisschen bedrohlich ausgesehen. Als ob sie gerade vor kurzem mit Marbulus gestritten hätten. „Was willst Du noch? Las uns in Ruhe!“ „Bitte, bitte lasst mich erklären. Ich will mich bessern und mich entschuldigen. Bitte hilft mir und meiner Freundin hier durch den Schnee zu kommen, sie hat es eilig und ist sehr traurig. Bitte, ich werde Euch nicht mehr ärgern und immer helfen wo Ihr braucht!“ Die Wichtel glaubten dieser Änderung fast nicht, aber als auch Lucinka angefangen hatte um ihre Hilfe zu bitten, packten alle an. Mit ihren kleinen Schäufelchen fuchtelten sie so schnell herum, dass der ganze Schnee im nu beseitigt war. Und da hättet ihr sehen sollen wie sich der faule Marbulus ins Zeug gelegt hatte! Alle haben nur so gestaunt. Und da kam auch die Zeit des Abschieds für die Zwei Freunde. Lucinka bedankte sich sehr bei allen Wichteln und auch bei Marbulus. Er sagte ihr, sie sollte dem geschaufelten Weg folgen, da würde sie schon auf den Weg kommen, wo sie ihren Vater treffen würde. Sie umarmten sich und da lief Lucinka schon los. Als sie sich umdrehte um noch letztes Mal Marbulus zu winken, Sah sie ihn noch zurückwinken und da verschwand er auch schon zusammen mit dem Garten und Schloss. Noch bevor wir weiter erzählen, wollen wir sagen, dass die Hilfe mit dem Schneeräumen, die Marbulus Lucinka gab, eben die Prüfung war, die Krakonos erwähnte. Und diese Prüfung bestand Marbulus. Seine Brüder verziehen ihm seine Streiche und nahmen ihn mit, damit er fort an nicht mehr alleine war. Ob seine Besserung von Dauer war? Warten wir es ab.

Lucinka lief den Geschaufelten Weg wie ihr Marbulus geraten hatte und tatsächlich kam sie bald auf den Waldweg von welchen sie abgekommen war nach ihren Freunden den Waldtieren suchend. Schon sah sie ihren Vater von weitem zu kommen und winkte ihm voll Freude. Er wunderte sich zwar sie auf dem Weg zu sehen aber schloss sie liebevoll in seine Arme. Als sie zusammen i der Hütte angekommen waren und die Mutter sich freute über das kommen beider, wurde Lucinkas Abwesenheit die drei vergangene Tage offenbar. Natürlich haben sich alle gefreut, dass sie wieder zusammen kamen, aber Lucinka musste von ihrem Abenteuer verursacht durch ihr Ungehorsam erzählen. Die Eltern haben ihr verziehen, weil, wie auch der Krakonos sagte, sie bereits genug selbst bestraft wurde. Alle waren dem Krakonos dankbar, dass er Lucinka gerettet hatte und ihr auch eine gute Lehre gab. Diese vergaß Lucinka nicht auch den Marbulus nicht. Wirklich schickte sie ihm immer wieder ihre Grüße durch ihre Freunde die Tiere. Ab und zu fand sie auf dem Fenster der kleinen Hütte wo sie wohnte ein Körbchen mit den schönsten Waldbeeren oder ein schönes Blumensträuschen. Da lächelte sie glücklich und bedankte sich laut. Sie wusste, dass er es hörte. Als Lucinka erwachsen wurde, auch dann vergaß sie Marbulus nicht. Sie setzte sich hin und schrieb die ganze Geschichte über ihre Freundschaft mit Marbulus auf…

Marbulus der die ganze Zeit auf dem Stein sitzend Lucinkas Geschichte vorlas, kam zu Ende. Er hob seine Strahlenden Augen hoch und sah seine Zuhörer an. „Die Geschichte handelte tatsächlich von mir! Zum Glück habe ich lesen gelernt! Na, ist sie nicht schön? Jetzt wird sie nicht vergessen! Ihr alle habt sie gehört. Nicht wahr?“