Geschichten

In den Mauern überdauern Erinnerungen vergangener Generationen.

Geschrieben von Blanca Maria Kallivroussis.

In den Mauern überdauern Erinnerungen vergangener Generationen,

Ein bisschen geschwollen ausgedrückt, aber wahr.  Da stehe ich vor einer  Mauer, mit Efeu  und Moosüberwuchert und die Gedanken wandern zuerst nicht sehr weit, nur so 10, 20 Jahre zurück::

Da, in der Ecke vor dem Zaun fuchtelt Großvater mit einer Maurerkehle und baut ein Zementstein auf den anderen. Ein Mädchen und drei Buben schauen ihm zu und schleppen für ihn die Zementsteine an. Großvater bereitwillig erklärt und zeigt seine Maurerkunst. Er hatte das alles bei seinem Vater gelernt und ist sehr stolz darauf.  Ein Hühnerstall entsteht. Zum Schluss haben alle geholfen.  Das kleine Häuschen steht, innen ist auch schon der Rost für die Hühner zusammengenagelt und sogar mit Kalk angestrichen. Ein Zaun mit einer richtigen Türe kam auch hinzu. Alle stehen herum und bewundern Großvaters Werk. Sie sind stolz dabei geholfen zu haben. Jetzt tummeln sich in dem abgetrennten Gelände 30 Küken. Sie sind sehr niedlich und scheinen sich wohlfüllen. Alle haben Freude.

5 Jahre später:

Die Hühner sind längst weg. Gegessen? Nein. Verkauft, verschenkt. Niemand wollte sie essen. Nur eins konnten wir nicht einfangen. Das ist uns davongeflogen und hatte sich in nahem Wäldchen versteckt. Fortan lebte es frei. Es entfernte sich nie von Haus, aber ließ sich nicht einfangen. Sein Schlaff Platz hatte es auf einem Quer Ast eines Baumes in der Nähe des Hauses gefunden. Es ernährte sich aus dem Fressnapf der Katzen und Hunden. Im Winter gab es außen vor der Küchentüre auf der Fußmatte eine richtige Pyramide. Zu unters unten schliefen ineinander zusammengerollt die Hunde. Auf ihnen eine warme Decke aus einem Knäuel von 4Katzen und an der Spitze nistete sich das widerspenstige Huhn. In friedlichem Einvernehmen wärmten sie einander und genossen die Menschennähe.

Und das Hühnerhaus? Ja beinahe hätte ich es vergessen! Da wohnte auch ein paar Monate ein Kälbchen. Dem hatte es dort aber gar nicht gefallen. Damit es herauskommt, wagte es sogar ein Sprung durch das kleine Fensterchen, das der Großvater für die Hühner vorgesehen hatte. Auch das Kälbchen wurde einem Bauer in der Nachbarschaft geschenkt und wir besuchten es dann später als es zu einer lieben Kuh herangewachsen war.

Eine Wette.

Einer von den Jungs war ein richtiger Künstler im Verschwinden, wenn es Ärger oder Arbeit gab. Als man ihn damit hänselte und behauptete, dass er nicht im Stande wäre Hammer und Nägel zu benützen, wehrte er sich vehement. Die Kinder schlossen eine Wette ab. Die Türe von Hühnerhaus war durchgefault und lag völlig zerstört auf der Erde. Der Gegenstand der Wette? Bis am Abend sollte in den Angeln des Hühnerhauses eine neue Türe hängen. Der Preis? Nie mehr Hänseln, oder noch mehr? Vielleicht Befreiung von irgendeiner unangenehmen Arbeit? Weiß ich heute nicht mehr. Aber eins ist sicher. Am Abend hing tatsächlich eine schöne Türe in den Angeln von Großvaters Hühnerhaus. Alle haben sie mit Anerkennung bewundert und niemand konnte darüber scherzen. Es war eine tolle Leistung!

20 Jahre später:

Das Häuschen steht immer noch. Der Großvater ist vor vielen Jahren gestorben. Sein Hühnerhaus dient heute als Lagerstelle für Olivennetze und wird weiterhin gebraucht. Hie und da versteckt sich darin auch ein wildes Tier vor dem Unwetter, da die schöne Türe von unserem Lebenskünstler schon wieder längst verfault ist und durch die Ameisen entsorgt wurde.

Ich stehe da, streichle die moosbedeckten Steine des Häuschens und  durch meine Hand strömt die Wärme der Erinnerungen. Danke Großvater!