Spuren = Geschehnisse

Das Feuer

Geschrieben von Blanca Maria Kallivroussis.

Das Feuer.

 

„Es ist noch weit! Nur Ruhe ! Es kommt nicht bis zu uns!“

Wir sehen zu, wie die feurige Zungen an dem Wald am Horizont nagen. “Es ist weit, es ist weit!“ Versuchen wir uns selbst zu überzeugen. Uns kann so etwas nicht passieren, das passiert nur im Fernsehen.“ Die feurigen Zungen werden immer grösser und erzeugen riesige Schwaden von schwarzem Rauch, welcher mit riesiger Kraft in den Himmel schiesst. Wir hören Ohrenbetäubenden Lärm. Auf einmall wissen wir nicht, woher es kommt. Der schwarze Rauch ist auf einmall überall. Es wird sehr heiss um uns, wir können nicht atmen. Die heisse Luft brennt in der Lunge. „Das Feuer! Das Feuer! Es ist da überall! Woher kam es? Wie kam es so schnell! Die Kinder Die Tiere Das Haus! Hilfe! Rettet uns! Schnell die Feuerwehr, Wasser! Macht schnell!“ Wir rennen, der Stall wird aufgemacht, die Tiere rasen heraus. Sehr schnell finden sie den Weg zur Rettung. Mein Mann versucht die Feuerwehr zu überzeugen zu kommen, zuerst am Telefon, später fährt er persönlich an die Hauptstrasse, wo sie warteten. Er bittet, bettelt, droht. „Wir können nicht, wir haben unsere Anweisungen, ihr solltet auch dort weg gehen, ihr könntet eingeschlossen werden!“ Mein Mann fährt zurück zum Haus. „Sammelt alles Wertvolle, schnell, wir müssen weg!“ „Die Feuerwehr?“ „Kommt nicht¨“ Inzwischen ist das Feuer da, wir können nicht weg. Es wäre viel gefährlicher durch den brennenden Wald zu fahren, als die letzte Zuflucht im Haus zu suchen  oder im Schwimmbad. Wir organisieren uns. Nach dem wir feststellen, dass es gar nichts nützt in dem Chaos auf die Feuerwehr zu warten, versuchen wir die Umgebung des Hauses nass zu halten. In der Hitze des Feuers ist es nicht leicht, alles trocknet sofort, wir auch Wasser! Wasser! Der Strom ist aus. Jetzt haben wir nur das Wasser von Schwimmbad

. Eimer um Eimer. Ich sehe die kleinen Gesichtchen meiner Kinder. Von Russ beschmiert in den Augen das Grauen, sie bemühen sich den Schock über die Naturkatastrophe zu überwinden. Der Selbsterhaltungstrieb

Ist stärker. Wir sind eingeschlossen, aber auch entschlossen zu Kämpfen. Vorher haben wir uns gesorgt um das Haus und die Tiere. Jetzt werden wir kämpfen um unser Leben! Wir organisieren uns. Bilden eine Kette. Eimer um Eimer. Manchmal kommt er nur halbleer an verschüttet durch die müden kleinen Hände. Nicht aufhören, nur nicht aufhören! Stunde um Stunde. Die Kinder standen nur da mit heruntergehängten Händen, apathisch sehend die riesige feurige Wand auf uns zu rasen. Sie hatten keine Kraft mehr und auch keine Luft… Plötzlich hören wir hinter uns den Lärm eines schweren Autos. Aus dem Rauch erscheint das Feuerwehrauto. Wir springen zu Seite. Sie fahren an die Feuerwand zu. Wir rennen dorthin. „Zurück! Geht zurück!“ Schreien sie. Ein paar Feuerwehrleute steigen aus und sehen sich die Umgebung an. Mein Mann geht zu ihnen, wir rennen zurück, sehen aber dem Geschehen zu. Das Auto fährt in die Nähe unseres Hauses. Bei der Feuerwand bleiben nur zwei Feuerwehrmänner. „Was wollen sie machen?“ Frage ich meinen Mann. „Sie versuchen das Feuer zu stoppen, es ist die letzte Möglichkeit. Wenn es nicht gelingt, nehmen sie uns in ihrem Auto mit. Mach die Kinder bereit, es wird schnell gehen müssen. Habt ihr die Sachen bereit, viel darf es nicht sein, kein Platz! Sie warten nur auf ein günstigen Moment.“ Wie hast Du das geschafft? Es ist doch gefährlich dort so nahe am Feuer?“ „Ich habe ihnen den kleinen Laster geschenkt wenn sie ihn retten.“ Ich sah den kleinen Lastwagen welcher so nahe an der Feuerwand stand und zweifelte ob dem Erfolg dieses verzweifelten Unterfangens. Der lärm des Feuers war ohrenbetäubend, wir mussten uns aus nächsten Nähe anschreien. Dort, wo wir standen, war bereits die Hitze des Feuers unerträglich, jeder Atemzug schmerzte und befriedigte den Bedarf an Sauerstoff nicht. Ich bekam Panik. „Die Wahnsinnigen, die verbrennen wegen einen kaputten Auto! Ein Windhauch und sie sind nur Asche!“ Im Moment blies der Wind in ihre Richtung und das Feuer gefährdete sie ernsthaft. Sie sind tatsächlich ein Stück des Weges zurück gerannt. Dann sehe ich sie in Bereitschaft Stellung zu gehen wie die Sprinter am Start. Etwas halten sie in der Hand. „Mein Gott! Feuerzeug! Was machen sie! Noch Mehr Feuer!? Sind sie Wahnsinnig geworden durch die Hitze?“ Der Wind dreht plötzlich die Richtung und bläst mit unverminderter Stärke gegen das Feuer. Die Hand mit dem Feuerzeug senkt sich. Kleine Feuerzungen lecken an dem trockenen Gras auf der Erde. Die Feuerwehrmänner rennen davon was ihnen die Kräfte reichen. Gerade rechtzeitig! Explosionsartig steht direkt hinter ihnen eine zweite Feuerwand. Wir haben keine Luft. Ich sehe nach den Kindern. Die wurden von den Feuerwehrleuten in das Haus geschickt. Zum Glück, dort hatten sie etwas Luft zum Atmen. Alle rennen auch dorthin. „Was war das? Was habt ihr denn gemacht! Jetzt verbrennen wir ganz sicher!“ „Vielleicht ja, vielleicht nicht, das war aber die letzte Möglichkeit, wir haben einen günstigen Moment abgewartet und Gegenfeuer angezündet. Wollen wir nachsehen ob es geklappt hat.“ Alle stürmen heraus, wir können wieder atmen, die Luft ist immer noch brennend heiss. Wir sehen nach der Feuerwand. Sie ist nicht mehr da. Wir sehen nur den verbrannten Hang, dort brennen vereinzelt alle Stämme unserer uralten Olivenbäume. Die Feuerwand ist weg. „Wir haben es geschafft, den Rest müsst ihr alleine machen. Mann ruft uns das Feuer kommt jetzt von unten wir werden eingeschlossen. Bleibt da, euch droht keine Gefahr aber die Häuser da an der Strasse könnte es erwischen. Wenn es zu nahe an sie von unten kommt, nimmt Äste zu Hilfe und löscht es ist nur Grass und nächstes mall, lässt es nicht liegen!“ Sagt der Hauptmann, sie steigen in ihr Auto und fahren weg gerade nur ein Danke konnten wir ihnen zurufen, haben die es gehört? An dem Tag vielleicht nicht, aber später und das Auto bekamen sie auch, aber sie hatten es nicht für das gemacht, für uns, das haben sie uns gesagt und das wissen wir!

Wir machten uns wieder an das löschen Eimer um Eimer wir schleppten uns nur. Dann hörten wir von unterhalb des Feldes vor dem Haus Schreie. „Feuer! Feuer!“ Die Kinder rannten herum „Äste, Äste!“ Wir sahen unterhalb des Feldes die Dorfeinwohner mit den Ästen das schleichende Feuer zu löschen. Wir rannten auch mit Ästen bewaffnet hinzu und löschten mit. Das schafften wir auch. Wir freuten uns. Unsere Nachbarn sind uns zu Hilfe gekommen! „Erst als ihre eigene Häuser in Gefahr waren!“ Sagte mit Bitterkeit mein Mann. Es stimmte leider. Aber was soll’s! Wir haben alle eine Lehre bekommen! Das Grass und Unkraut hat in der Nähe des Hauses und in weiterer Umgebung nicht zu suchen!

Wir sahen uns um. Eine Mondlandschaft und der Gestank nach verbranntem! Wie werden wir uns von all dem erholen? Die Olivenbäume brannten immer noch, 36 Stunden sind seit dem Anfang des Feuers vergangen, wir konnten nicht mehr auf unseren Füssen stehen, Wasser zum waschen hatten wir nicht, wir fielen so in unsere Betten und schliefen. Vor unseren geschlossenen Augen brannte es weiter, das Feuer begleitete uns im Schlaff noch viele Monate danach, denn es ist uns nicht Gestern passiert, nein! Es ist Uns vor 20 Jahren auf Korfu passiert und Heute passierte es meiner Schwester und ihrer Familie im Korinth. Und nicht nur ihnen, vielen Familien in ganz Griechenland! Der Albtraum wird wieder Wahr!!!